038: Depression sagt: "Du nicht." – Wenn alle in Vorfreude sind und du nur dastehst.
Shownotes
Vorfreude ist die schönste Freude. Depression sagt: „Nicht für dich."
In dieser Folge spreche ich über eines der leiseren Symptome der Depression – den Verlust der Vorfreude. Nicht die Anhedonie, wo Hobbys keinen Spaß mehr machen. Sondern dieses stille Vorglühen auf etwas Bevorstehendes, das irgendwann einfach abhandengekommen ist.
Auslöser war eine Frage meiner Tochter kurz vor dem Osterurlaub. Eine einfache, unschuldige Frage – und ich konnte sie nicht ehrlich beantworten.
Ich spreche darüber, wie Katastrophisieren und Vermeidung einen Teufelskreis erzeugen, warum ich so oft gute Miene zum bösen Spiel mache – und was das kostet. Und warum ich trotzdem zuversichtlich bin. Nicht blauäugig. Aber zuversichtlich.
SHOWNOTES
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00:00:00: Ich muss gestehen, dass mir diese Folge hier echt ein bisschen schwer fällt.
00:00:06: Weil die erstaunlich nahegeht und Dinge betrifft, die mir noch nicht so richtig lange bewusst sind.
00:00:22: So es gibt Dinge, die sind mehr näher was so Depressionen angeht Was so die typischen Sachen sind, die passieren können Und die mich betreffen und andere Halt auch.
00:00:35: Und es gibt Dinge, die sind ja relativ neu.
00:00:38: erst so in meinem Bewusstsein und diese Folge hier, die gehört zu der letzten Kategorie her.
00:00:51: Ich habe über die Anhedonia schon in einer ich glaube der Letzten Folge sogar gesprochen und die setzt jetzt hier nochmal an einem anderen Punkt an nämlich das Thema Vorfreude.
00:01:12: Vorfreude ist die schönste Freude, sagt der Volksmund.
00:01:17: Ob da was dran ist kann mich ehrlich gesagt nicht mehr daran erinnern.
00:01:23: Vielleicht wenn ich ganz früh zurückgucke auf bestimmte Dinge wie Weihnachten und Zeit bei meinen Großeltern.
00:01:37: das sind glaube ich die Dinge an die ich mich erinneren kann dass sich damit vor Freude dran bin.
00:01:45: Ob ich so richtig Vorfreude in den letzten... ...zwanzig, dreißig Jahren erlebt habe?
00:01:53: Kann ich jetzt gar nicht so richtig sagen.
00:01:57: Gleichzeitig schäme ich mich aber auch für diese Erkenntnis dass Ich vor Freude so richtig nicht mehr erlebe weil ich oft was anderes gesagt hab.
00:02:12: So ja ich freue mich drauf oder Ja es wird bestimmt super und naja das war offensichtlich nicht immer so richtig war.
00:02:27: Diese Folge hier basiert auf einem Erlebnis, das ich auch als Reel veröffentlicht habe und da ging es um eine Geschichte die vor unserem Osterurlaub vor einigen Wochen passiert ist.
00:02:47: Das Video was sich da genommen haben ist relativ alt also vor den Osterferien aufgenommen worden von mir und ich habe es aber jetzt erst veröffentlicht, weil ich das einfach noch auf Halde hatte.
00:03:02: Und zwar war das so dass ich mich abends vor unserem Urlaub, ich weiß nicht ein zwei Tage vorher mal auf die Couch gelegt hab zum Rundabend und da kam meine Tochter runter und sie fragte dann oder fragte mich hey Papa freust du dich eigentlich schon auf den Urlaub?
00:03:21: Normalerweise ist mein Reaktion immer sowas wie ja oder klar.
00:03:26: Und das, ich weiß nicht warum mich diese Frage die kam so unvermittelt irgendwie weil wir uns über irgendwas anderes unterhalten haben und da kam dann bei mir nur noch so ein Stammeln raus und dann hat sie mich angeguckt ziemlich überrascht irritiert weiß ich jetzt nicht aber auf jeden Fall überrasht und sagte dann du freust dich nicht?
00:03:53: Ja und dann könnte ich eigentlich noch ehrlich sein und sagen, nee Mausi.
00:03:59: Leider nicht!
00:04:01: Und sie fragte dann ja warum denn nicht?
00:04:04: Und habe ich dann gesagt Ja das ist Depression.
00:04:10: Das hat sie dann auch so abgenickt und dann war es auch in Ordnung für uns und für mich auch erstmal auch.
00:04:18: Aber ich hab dann gemerkt Boah irgendwas da ist da unerkannt So irgendwas die Bedeutung davon Also diesen Glanz und diese Vorfreude in den Augen meiner Tochter zu sehen.
00:04:31: Und das komplette Gegenteil bei mir, das war schon sehr eindeutig.
00:04:38: Klar wir Erwachsenen, wir freuen uns vielleicht nicht mehr immer wie Kinder weil ich weiß nicht wie es dir geht aber bei mir ist es so.
00:04:43: Ich sehe dann erstmal die Arbeit die noch zu machen ist und Urlaubsvorbereitung ist ja immer super stressig Wir kennen das alle!
00:04:52: Und trotzdem ist ja bei vielen von uns dieser Punkt da, dass wir uns dann doch irgendwie freuen.
00:05:01: So und es ist halt so... Dass das auch irgendwie länger schon ist oder länger schon so nicht mehr da ist als ich dachte.
00:05:18: Dass es hier sehr offensichtlich ist bei Hobbys wenn ihr das auf einmal keinen Spaß mehr macht oder Tätigkeiten die du vorher mit einer gewissen Freude gemacht hast Dass die keinen Spaß mehr machen, das ist definitiv etwas was relativ greifbar ist für Menschen.
00:05:38: Das kommt ziemlich plötzlich.
00:05:43: Es ist nicht so in your face dass es einem direkt auffällt aber es ist halt eines der Symptome wo halt dann Psychiaterinnen und Psychiate oder PsychologInnen fragen Hast du Freude an Tätigkeit?
00:05:56: Machst du das, was du gerne machst immer noch gerne und dann kommt manchmal leider so etwas wie, boh nee irgendwie nicht.
00:06:04: Das ist dann so greifbar.
00:06:05: aber diese Vorfreude auf Dinge hinzusehenen wie zum Beispiel im Urlaub oder ein Konzert oder sonst irgendetwas, das ist so wie eine leise Variante davon weißt Du?
00:06:21: So dass vor Freude ist irgendwie so bisschen subtiler zumindest bei Erwachsenen.
00:06:26: Ja, es ist halt dann nicht so ein... Bei Erwachsenen ist das ja nicht so einen Feuerwerk.
00:06:31: Sondern es ist dann so wie eine Art Vorglühn.
00:06:37: Man trifft sich und bereitet sich mental schon auf die coole Party vor oder auch nicht.
00:06:47: Wenn's mir ich will jetzt nicht sagen dass ich mich gar nicht so rein denken kann in einer Situation, dass sie auch cool werden kann ist es jetzt nicht.
00:07:00: Wenn ich jetzt zum Beispiel oder wenn wir jetzt irgendwas irgendwo vielleicht mit dem Mobil unterwegs sind, wird ja recht viel unterwegs mit dem Camper und wir haben dann so manche Stellen die wir auch wieder rotes Mal anfahren.
00:07:17: Gerade wenn du Kinder hast, weiß das die Kinder da eine gute Zeit haben, dann fährst du da halt auch häufiger hin.
00:07:24: und wenn ich weiß dass wir dahin fahren, mir das vorstellen kann, wie es ist wenn wir da sind und vielleicht auch ein bisschen mehr Zeit haben.
00:07:34: Das ist dann schon so eine Funke von Vorfreude.
00:07:38: Mehr ist es aber leider auch nicht.
00:07:42: Wenn es etwas ist was ich kenne weil es nicht unbekanntes ist.
00:07:47: Es ist jetzt kein Raum dafür.
00:07:51: Katastrophen wie zum Beispiel einen Konzert oder sowas.
00:07:55: Ein Konzern ist für mich die pure Hölle.
00:07:58: Weil, wie komme ich da hin?
00:08:00: Wie stehen wir da?
00:08:02: Sind wir einem in schlechten Platz.
00:08:05: Das sind alles Dinge... Kommen wir pünktlich!
00:08:08: Das ist alles Dinge die mir vorher unfassbar viel Stress machen.
00:08:12: In dem Konzert selbst kommen dann so Gedanken in meinen Kopf Ja, kommen wir denn auch wieder gut weg hier und also ein Scheiß.
00:08:19: Und dann führt das halt auch dazu dass sich diese Dinge, die mir eigentlich Spaß gemacht haben früher, sowas wie Konzerte Na ja, dann auch immer weniger Macher.
00:08:30: Will ich eigentlich gar nicht mehr?
00:08:32: Und da geht man selten an.
00:08:33: Das ist ein Teufelskreis.
00:08:34: Je seltener man dann geht, desto weniger positive Erinnerungen gibt's dann auch.
00:08:40: So das es gut war und dann stirbt diese Vorfreude nicht durch ein schlechtes Erlebnis oder sowas was eigentlich nie passiert ist sondern durch eine Art von Vermeidung.
00:08:55: Faken!
00:08:56: Ist halt so'n Thema.
00:08:58: Da muss ich sagen dass mir dass echt nahe gegangen ist in der Vorbereitung auf diese Folge, weil das mir nicht so richtig bewusst war.
00:09:07: Wie oft ich dann gute Miene zum bösen Spiel mache?
00:09:10: Weil ich niemandem des Vorfreude troppidieren möchte!
00:09:13: Wenn ich jetzt meine Tochter sehe die dann vorfreudig ist, ja dann will ich das doch nicht irgendwie troppidian oder sowas... Ich würde keine Belastung sein für meine Familie, die sich freute und vorfreut auf diesen Urlaub.
00:09:28: Ja und dann haben schon irgendwie gemerkt, dass das ja eigentlich auch irgendwie nicht fair ist.
00:09:32: Auf der anderen Seite ist es halt ein Mechanismus, der dafür sorgt, dass ich diese wenige oder diese Abwesenheit von Vorfreude einfach bei mir behalte und niemanden herunterziehe.
00:09:46: Das schützt zwar die Anderen aber kostet eine Menge.
00:09:51: Ich bemerke so beim Einsprechen wie... Also ich muss mal sprech denken.
00:09:58: Mir ist schon bewusst, dass jetzt hier alles ein schwerer Stoff ist gerade und gleichzeitig versuche ich schon aktiv dagegen zu arbeiten.
00:10:09: Ich hab da keinen Spaß dran also ich erzähle... Ich würde viel lieber diesen Podcast machen und aus der Zukunftssicht oder aus der Gegenwart in eine düstere Vergangenheit schauen dass ich dir sagen kann, es ist jetzt vorbei.
00:10:30: Ich bin hier ein glühendes Beispiel dafür, das es auch besser werden kann und das werde ich auch.
00:10:36: also ich werde alles dafür tun, dass nicht mein Leben das ist was ich erlebe so in dieser neuen Phase wo's mir nicht gut geht.
00:10:47: aber ich möchte da auch ganz transparent sein und offen sein, dass das halt durchaus mehrere Anläufe brauchen kann, bis es einem gut geht.
00:10:57: So und Wie gesagt ich bin da möchte der konstruktiv sein auch mit diesem podcast was Ich das weißt du wenn Du hier schon ein bisschen zuhörst Ja dann weißt Du dass ich Gerne Und viel schreibe.
00:11:14: so und ich mach jetzt Das ist wie in journal dass sich mir Sachen aufschreibe die waren egal ob sie gut schlecht oder neutral sind.
00:11:21: Die Schreib auch wie man tagt war und am ende des tages mache ich so eine Art Review, wie war der Tag?
00:11:28: Dann schreibe ich mir auch immer drei Sachen auf die gut waren.
00:11:30: Das mache ich immer!
00:11:31: Ich versuche abends diesen Tag positiv zu sehen und das gelingt mir oft, positive Dachen zu finden.
00:11:43: Wenn es nur Kaffee mit meiner Frau ist in Anführungsstrichen, sind mir fallende Dinge dann schon ein.
00:11:51: Manchmal Erinnere ich mich auch dann zurück, wenn ich so in diese Vergangenheit blättere.
00:12:00: Dass es schon Dinge waren die dann gut war.
00:12:03: Dass ich mich dann erinnere... Wenn ich jetzt zum Beispiel ein Bild sehe Ich habe dann einen kleinen Fotodrucker Da kann ich dann von unterwegs Sachen ausdrucken und in meinen Journal reinkleben oder Tickets von irgendwas oder Rechnungen oder sowas Dann erinnerei ich mich an diesen Moment Und dann kann ich da sehr viel Gutes finden.
00:12:24: Und ich glaube, dass wenn ich das häufig genug mache, ich zumindest das Katastrophisieren los werde.
00:12:30: Vielleicht nicht die Vorfreude wiederfinden aber da sich mir zumindest das katastrophizieren spare und dafür oder damit einen besseren Ansatz für zukünftige Unternehmungen oder Aktivitäten oder sonst irgendwas hole.
00:12:49: also Das Ziel für mich ist da mein Gehirn mit Belegen zu füttern, dass es sich verdammt noch mal gelohnt hat.
00:12:57: Scheinbar war das doch ganz gut und ich kann dem dann auch... Ich kann das dann auch sehen!
00:13:03: Das gelingt mir schon.
00:13:05: Es reicht in Masse aber noch nicht diese... ...das Thema Vorfreude wieder.
00:13:11: Naja etwas mehr in die Vordergrund zurück.
00:13:14: Keine Ahnung ob's mir jemals wieder gelingen wird.
00:13:16: Mein Ziel ist.. ..dass es sukzessive besser wird.
00:13:20: Ist nicht einfach.
00:13:21: So, das kann ich sagen.
00:13:23: Was das Ganze für mich auch hart macht, ist zu sehen wie meine Familie vor Freude erlebt.
00:13:35: Und da muss ich ehrlich sagen auch bei allem, bei aller Zuversicht dass es irgendwann besser wird mit viel und viel und Viel Training durch mir.
00:13:47: gerade so ein bisschen Leid muss ich sagen weil Ich sitze dann halt oft daneben und schau mir das an Wie von außen oder wie ich schweb so über mir raus aus meinem Körper und beobachte die Szenerie.
00:14:02: Das ist dann nicht neid, im Gegenteil.
00:14:04: Ich freue mich tatsächlich dass meine Familie etwas wie Vorfreude erlebt und gleichzeitig ein bisschen trauer das es abhanden gekommen ist.
00:14:18: Und ich merke dass es auch nicht immer leicht ist diese Stimmung, diese vorfreudigen Situation nicht kaputt zu machen.
00:14:28: Ich will sie nicht kaputt machen, also versuche ich nichts zu sagen oder naja, ich fake es ein bisschen was.
00:14:35: Also zumindest dass ich dann bin nicht gefragt werde und freust du dich eigentlich auch?
00:14:41: Dass ich sage ja und das halt nicht immer ehrlich so hart.
00:14:47: Also um dem Ganzen noch einen positiven Spin zu geben zum rausgehen ist da sich mir mantramäßig immer wieder sage, dass das Gehirn bis ins hohe Alter lernfähig ist Nicht mehr so wie Kinder, wo das Gehirn so plastisch ist dass einzelne Erfahrungen sofort im Gehirren quasi sichtbar werden.
00:15:10: So dass da bestimmte Fähigkeiten angelegt werden.
00:15:15: aber über die Jahre und vor allem über die Zeit wo das unerkannt war hat sich mein Gehirnen offensichtlich etwas verändert.
00:15:24: also Es ist ja schon so, dass man mit Bildgebenden Verfahren sehen kann.
00:15:28: Dass bestimmte Bereiche bei Menschen mit Depressionen nicht verkümert sind aber kleiner sind als bei Menschen die keine Depression haben.
00:15:38: also das zwar ein chemischer Cocktail ist mit viel Stresshormon und dergleichen mehr und das führt dann auch sichtbar zu Dingen im Hirn Und gleichzeitig ist es etwas was man wieder trainieren kann.
00:15:57: Ich komme jetzt zum Glück aus einem Medizinalberuf, wo ich das erlebt habe.
00:16:03: Ich bin ja immer im ersten Berufsleben Ergotherapeut und hab mit Menschen gearbeitet die neurologische Schäden hatten sei es nach nem Schlaganfall oder nach nem Sturz auf den Schädel Und ich habe schon gesehen mit meinen eigenen Augen aber auch Händen wie ich Menschen begleiten durfte wo andere nicht geschädigte Bereiche des Gehirns diese Aufgaben wieder übernommen haben, auch im hohen Alter kann man Fähigkeiten erlernen.
00:16:35: Ich bin jetzt fünfevierzig das heißt ich bin jetzt nicht mehr Blut jung so aber ich bin auch noch nicht alt.
00:16:41: das heißt eigentlich darf sollte mein Gehirn noch plastisch genug sein um einen ordentlichen Schwung Veränderungen erleben entwickeln zu können, wenn man das so sagen darf.
00:16:56: Von daher bin ich dazu versichtlich.
00:16:58: Ich bin zuversichtlich dass es besser wird.
00:17:02: Lass mich da eines besseren belehren!
00:17:05: Ich bin nicht ganz zuversichtlich, dass sich diesen ganzen Bums jemals loswerde.
00:17:08: dafür ist es die letzten zwanzig dreißig Jahre glaube ich zu tief in meinen Organismus reingepresst worden.
00:17:18: aber wenn immer wieder sukzessive Lerne besser damit umzugehen, dann bin ich zufrieden.
00:17:26: Dann kann ich das so akzeptieren und deswegen freue mich auf die Therapie wann noch immer sie sein wird und es wird bestimmt auch hart wie sowas immer ist Und ich will und werde mich da durchbeißen.
00:17:43: Ich will So nicht weiter leben und ich will mein Leben nichts beenden sondern ich möchte mein Leben genießen dürfen.
00:17:51: Von daher bin und bleibe ich da zuversichtlich!
00:17:56: Und die leicht dir auch gerne, diese Zuversicht dass Dinge besser werden können, die möchte ich dir mitgeben wenn du an einem Punkt bist wo dir das nicht so gut gelingt.
00:18:07: In diesem Sinne hoffe ich dass sich die Stimmung nicht zu sehr runter geprügelt habe und wünsche dir einen ganz ganz tollen Tag bis dahin und zur nächsten Folge dein Gordon Schönwälder.
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